onlinebibliothek sachsen-anhalt. Die neue Zensur

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Zensur war von jeher ein beliebtes Herrschaftsinstrument. Und schon immer waren Menschen geneigt, andere, deren Reden und Schreiben ihnen nicht gefiel, mundtot zu machen. Seit 1949 garantiert in Deutschland das Grundgesetz Meinungsfreiheit und verbietet die Zensur. Im Internet, insbesondere in den sozialen Medien, sieht Christian Bommarius dieses Kernelement unserer Demokratie heute jedoch massiv gefährdet. Einerseits wird von Google, Facebook und Co. unentwegt und oft ohne Transparenz gefiltert, sortiert, gelöscht und gesperrt - das ist Zensur, nur nennt es der Gesetzgeber bisher nicht so. Andererseits treten immer mehr Nutzer selbst das Recht auf freie Meinungsäußerung mit Füßen: Sie verwandeln das Netz in eine Kloake von Rufmord, Beleidigung und Einschüchterung, mit dem Ziel, andere zum Schweigen zu bringen. In seinem streitbaren Buch fordert Bommarius, endlich auch in der digitalen Welt die Standards einer offenen demokratischen Gesellschaft zu garantieren und einzuhalten.

Autor(en) Information:

Christian Bommarius, Jahrgang 1958, studierte Germanistik und Rechtswissenschaft. Nach journalistischen Stationen, etwa als Korrespondent beim Bundesverfassungsgericht, war er von 1998 bis 2017 Redakteur der "Berliner Zeitung". Seit 2018 ist er Kolumnist der "Süddeutschen Zeitung". 2008 erhielt Bommarius den Otto-Brenner-Preis als Gesamtwürdigung seiner journalistischen Arbeit; für sein publizistisches Werk wurde ihm 2018 der Heinrich-Mann-Preis verliehen. Zu seinen Büchern zählen u. a."Das Grundgesetz. Eine Biographie" (2009) und "1949. Das lange deutsche Jahr" (2018).